Direkt zum Inhalt

DR Kongo: Neue Welle der Gewalt gegen Zivilbevölkerung in Ituri – Aktueller Bericht zeigt immensen Hilfsbedarf vieler Gemeinden

Kinshasa/Berlin, 25. März 2025. Ärzte ohne Grenzen beobachtet in der Provinz Ituri im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) einen erneuten Anstieg der Gewalttaten. Die medizinischen Teams der Organisation behandeln Zivilist*innen mit schwersten Verletzungen. In dem heute veröffentlichten Bericht „Risking Their Lives to Survive“ unterstreicht Ärzte ohne Grenzen den immensen Hilfsbedarf vieler Gemeinden, die von den jüngsten Angriffen, der zunehmenden Vertreibung und dem Rückgang der humanitären Hilfe bedroht sind.

Seit Jahrzehnten herrscht in Ituri, im Nordosten des Landes, ein komplexer Konflikt, der von Gewalt, ethnischer Spaltung und der Beteiligung verschiedener bewaffneter Gruppen gekennzeichnet ist. Immer wieder werden Menschen dabei direkt angegriffen oder es wird in Kauf genommen, dass sie bei Kämpfen verletzt werden. Der Konflikt hat den Zugang zu Gesundheitsversorgung und Nahrungsmitteln erheblich erschwert. Die eingeschränkte humanitäre Hilfe hat die Situation der Menschen, die von der internationalen Gemeinschaft wenig Aufmerksamkeit erhalten, weiter verschärft.


Ärzte ohne Grenzen appelliert an alle staatlichen Akteure und nichtstaatlichen bewaffneten Gruppen in Ituri, die Zivilbevölkerung und die Gesundheitseinrichtungen zu verschonen, die für das Überleben der lokalen Bevölkerung unerlässlich sind. 


Laut Angaben der Vereinten Nationen hat die Gewalt in Ituri seit Jahresbeginn rund 100.000 Menschen vertrieben. Allein im Januar und Februar meldete sie mehr als 200 Getötete und Dutzende Verletzte. Im Februar behandelten medizinische Teams von Ärzte ohne Grenzen Kinder und Schwangere, die nach Angriffen der Miliz im Gebiet von Djugu Macheten- und Schusswunden erlitten hatten.


Die jüngsten Angriffe folgen auf jahrzehntelange Gewalt und die daraus resultierende Situation für die Zivilbevölkerung in Ituri ist verheerend. Die Krise ist von wiederholten Vertreibungen gekennzeichnet. Die Menschen müssen aufgrund der Gewalt ihre Existenz immer wieder von Neuem aufbauen. Die Geschichten, die uns Patient*innen und Menschen in den Gemeinden erzählen, sind nur die Spitze des Eisbergs.

-Alira Halidou, Landeskoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen in der DR Kongo.


In Ituri hat nur ein kleiner Teil der Bevölkerung Zugang zu Gesundheitsversorgung, und auch die Gesundheitseinrichtungen werden angegriffen. Diese Angriffe führen nicht nur dazu, dass Patient*innen sich nicht mehr trauen, medizinische Einrichtungen aufzusuchen, sondern sie gefährden auch das medizinische Personal. Ein Arzt erzählte, wie ein Gesundheitszentrum schließen musste und er trotzdem weiter Kaiserschnitte machte: „Es war gefährlich und ich riskierte mein Leben, aber wir hatten keine andere Wahl. Wir mussten heimlich mit den Frauen ins Krankenhaus, sonst wären sie gestorben.“


Wenn Angriffe auf Zivilist*innen zunehmen, steigt in der Regel auch die Zahl der Betroffenen sexualisierter Gewalt, die in den Einrichtungen von Ärzte ohne Grenzen Hilfe suchen. Vor allem Frauen werden attackiert, wenn sie versuchen, für sich und ihre Familien das Nötigste zum Überleben zu finden. Im Geflüchtetencamp Drodro wurden in den Jahren 2023 und 2024 rund 84 Prozent der von Ärzte ohne Grenzen behandelten Überlebenden sexualisierter Gewalt bei der Arbeit auf Feldern, beim Sammeln von Feuerholz oder auf der Straße überfallen. 


Trotz der Bemühungen des Gesundheitsministeriums, von Ärzte ohne Grenzen und anderen humanitären Organisationen übersteigen die Bedürfnisse der Menschen bei Weitem die verfügbaren Mittel. Die Ernährungssituation hat sich in Ituri im Jahr 2024 drastisch verschlechtert. 43 Prozent der Bevölkerung sind aktuell chronisch von Ernährungsunsicherheit betroffen. Schwierige hygienische Bedingungen und die provisorischen Unterkünfte in den Camps führen dazu, dass sich Durchfall- und Atemwegserkrankungen leicht ausbreiten. Leidtragende sind vor allem Kinder unter fünf  Jahren.

Bericht: "Risking Their Lives to Survive"

In unserem Bericht „Risking Their Lives to Survive“ unterstreichen wir den immensen Hilfsbedarf vieler Gemeinden, die von den jüngsten Angriffen, der zunehmenden Vertreibung und dem Rückgang der humanitären Hilfe bedroht sind.

Für weitere Auskünfte sprechen Sie uns an

Image
Unsere Pressereferetin Christiane Winje
Christiane Winje
- Media Relations