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Unsere Forderungen an die künftige Bundesregierung

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Portrait Lara Dovifat

Lara Dovifat

Ich bin seit 2012 bei Ärzte ohne Grenzen und leite seit 2023 die Advocacy Unit im Berliner Büro. Dabei arbeite ich an der Schnittstelle zwischen humanitärer Hilfe und politischer Einflussnahme: Die Bedürfnisse von Patient*innen und Communities in den Ländern, in denen wir arbeiten, sollen auf diese Weise auch bei uns in politische Entscheidungsprozesse einfließen.

Angriffe auf Krankenhäuser und Personal, fehlende Medikamente - einschneidende Kürzungen im Bereich der humanitären Hilfe: Dies sind nur einige wenige Themen, die unsere Arbeit und damit die Versorgung unserer Patient*innen in unseren weltweiten Projekten beeinflussen oder gefährden. Beispielsweise merken wir die Auswirkungen von finanziellen Mittelkürzungen in der humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit unmittelbar in unseren Projektländern: etwa bei den staatlichen Gesundheitssystemen vor Ort. Die Versorgung von Patient*innen ist beeinträchtigt. Als fast ausschließlich spendenfinanzierte und unabhängig agierende Hilfsorganisation versuchen wir, die entstandenen Versorgungslücken zu füllen. Doch auch unsere Kapazitäten reichen dafür nicht immer aus.

Unsere Forderungen auf den Punkt gebracht:
 

1. Gelder für humanitäre Hilfe zu erhöhen, rettet Menschenleben

Die Finanzierung der humanitären Hilfe steht auf der Kippe. Kürzungen kosten Menschenleben. Wir fordern die neue Bundesregierung auf, Hilfe nachhaltig und bedarfsorientiert zu finanzieren. Es braucht finanziellen sowie auch diplomatischen Einsatz in der kommenden Legislaturperiode und darüber hinaus.

2. Keine politische Instrumentalisierung humanitärer Hilfe

Humanitäre Hilfe muss unabhängig bleiben, nur so werden wir z. B. in einem Konfliktgebiet als unparteiisch wahrgenommen und können sicher arbeiten. Die Bundesregierung muss die Achtung der humanitären Prinzipien ganz oben auf die Agenda setzen – es geht z. B. nicht, militärische und humanitäre Ziele zu vermischen.

3. Schutz für Helfende & Zivilist*innen!

Angriffe auf Krankenhäuser & Helfende müssen verurteilt werden! Wir fordern von der deutschen Bundesregierung, dass sie sich entschieden für eine unabhängige Aufklärung und konsequente Verfolgung entsprechender Verstöße gegen das humanitäre Völkerrecht einsetzt.

4. Schutz für Schutzsuchende

Geschlossene Auffanglager an den EU-Außengrenzen für Schutzsuchende verstoßen gegen grundlegende Menschenrechte und haben ernsthafte Folgen für die Gesundheit. Wir fordern von der neuen Bundesregierung: faire Asylverfahren und uneingeschränkten Zugang zu medizinischer Versorgung für alle!

Die Menschlichkeit nicht aufs Spiel setzen!

Unser Appell an die deutsche Politik ist klar: Geben Sie der Menschlichkeit Vorrang vor politischer Taktik.

Hintergrund: Humanitäre Hilfe ist komplex

Die Idee der humanitäre Hilfe klingt einfach: In Notlagen Leben retten. Die Praxis ist allerdings oft herausfordernd.

Migration: Menschen schützen, statt auslagern

Auf europäischer Ebene werden immer brutalere Maßnahmen und Mittel gegen Schutzsuchende salonfähig gemacht.

5. Grundrechte dürfen nicht ausgelagert werden

Die Auslagerung von Asylverfahren in Drittstaaten ist inakzeptabel und untergräbt grundlegende Menschenrechte. Wir fordern, dass die neue Bundesregierung sich klar gegen solche Praktiken positioniert und das Recht auf Asyl in der EU schützt.

6. Globale Gesundheit stärken

Gesundheit ist ein globales Gut und darf nicht vom Wohnort oder Einkommen abhängen. Medizinische Innovationen müssen für alle Menschen weltweit verfügbar und bezahlbar sein: Was öffentlich finanziert wurde, muss auch öffentlich zugänglich sein – anders, als es etwa bei der Corona-Impfstoffentwicklung und -verteilung der Fall war. Zur Bekämpfung antimikrobieller Resistenzen braucht es mehr öffentliche Mittel. Ebenso fordern wir eine ausreichende Finanzierung zur Bekämpfung armutsassoziierter und vernachlässigter Krankheiten.

7. Zugang zu sexueller & reproduktiver Gesundheit sichern!

Kein Zugang zu Verhütung und sicheren Schwangerschaftsabbrüchen = Lebensgefahr für Millionen Frauen. Die neue Bundesregierung sollte alle reproduktiven Gesundheitsleistungen auch in humanitären Kontexten ausreichend finanziell und politisch unterstützt.

8. Den Hunger & Mangelernährung bekämpfen

733 Millionen Menschen hungern. Mangelernährung ist eine der häufigsten Todesursachen von Kindern unter 5 Jahren weltweit. Wir wünschen uns von der neuen Bundesregierung, sich als wichtiges humanitäres Geberland für die Bekämpfung der globalen Mangelernährungskrise bedarfsgerecht und nachhaltig einzusetzen.

9. Klima und damit Menschenleben schützen

Fluten, Dürren, Krankheiten – die Klimakrise tötet und verstärkt humanitäre Krisen. Am härtesten trifft es Menschen im Globalen Süden. Sie brauchen konkrete Unterstützung, um sich zu schützen, anzupassen und Klimaschäden zu bewältigen - Deutschland darf sie damit nicht allein lassen!

Sie unterstützen unsere Forderungen?

Werden Sie aktiv! Wir bieten Möglichkeiten sich für humanitäre Arbeit einzusetzen.